Venezuela Reisebericht Nr.1
Nach getaner Zwischenprüfung entschied ich mich im September Berlin hinter mir zu lassen und mit meiner Freundin Solveig nach Venezuela aufzubrechen. Vor 4 Jahren war ich schon einmal dort und ich dachte mir ,dass es Zeit wäre meine Freunde in Caracas zu besuchen. Geplant waren 6 Wochen, von denen ich 2 in Caracas verbringen wollte. Die anderen 4 Wochen sollten dafür sein, dass Solveig und ich einige Orte die wir uns vorher ausgeguckt hatten, bereisen. Alles andere sollte sich von selbst ergeben. Am 17.09.99 ging es dann mit der Lufthansa von Berlin Richtung Caracas.
Das Wiedersehen in Caracas war unbeschreiblich herzlich und ich wußte es hatte sich in all den Jahren nichts geändert. Der Anblick zahlreicher Ranchos, die wie ein Teppich über den Bergen liegt, macht die Ankunft nicht gerade leicht. Ist man dann erstmal im Zentrum angelangt hat man damit zu tun, sich an die Hektik der Stadt anzupassen. Vergesst sämtliche Verkehrsregeln, die helfen Euch hier eh nicht weiter. Am besten Augen zu und durch! Die ersten Tage in Venezuela war ich damit beschäftigt meinen Körper an die Zeitumstellung und die Schwüle zu gewöhnen. Alte Freunde wiederzusehen und das Versäumte nachzuholen.. .Die Freundlichkeit der Menschen hier lassen einen schnell heimisch fühlen.
Das wirre Treiben auf den Strassen hatte mich schon damals fasziniert. Ich kehrte an Plätze zurück, die ich schon einmal gesehen hatte. Plätze, die all das Chaos, all die Armut , all die Schönheit und Kontraste in sich vereinten. Zum Beispiel Plaza Bolivar , das historische Zentrum- wo Moderne und Tradition aufeinander treffen. Dort gibt es wunderschöne Häuser aus der Kolonialzeit. Sehenswert ist die Kathedrale und Santa Capilla. Um das wirkliche Leben zu entdecken, sind wir meistens einige Stationen mit der Metro gefahren und sind dann durch die Sraßen gelaufen. Aufregend fand ich das Viertel um die Station ” Capitolio ” . Menschengedränge, lautes Geschrei, riesige Basare auf denen man alles mögliche erwerben kann. Sei es Kräuter zum Kochen oder die Shorts für den Strand.
Nach 2 Wochen hatte ich dann auch genug vom Stadtleben und sehnte mich nach Sonne und Meer. Unser erstes Ziel hieß Choroni, etwa 4 Stunden mit dem Bus von Caracas entfernt. Die Fahrt führt auf schmale Bergstrassen durch tropische Wälder und man hat einen sagenhaften Ausblick auf die Umgebung. Der Höhepunkt ist Choroni selbst. Der ” Playa Grande ” ist ein Strand wie aus dem Bilderbuch. Hier werden Karibikträume wahr. Es gibt viele kleine Posadas in denen es sich gut leben lässt. Wir fanden Unterschlupf in der Posada ” Rancho Tipire ” in der Calle Morillo, nur einige Meter von der Busstation. Das 4- Bett Zimmer kostet hier nur 6000 Bs und läßt nichts zu wünschen übrig. David und Arnaldo, zwei junge Venezoelaner betreiben die Posada. Sie sind unheimlich hilfsbereit und tun alles Mögliche um eine unvergessliche Zeit zu haben. Und so wurden statt den geplanten 2 Tagen, die wir hier verbringen wollten 14 Tage. Warum nicht dortbleiben, wo es einem gefällt! Wir lernten die süße Seit des Lebens kennen. Früh standen wir auf und tranken unseren ” Guten- MorgenCafe ” in der Hängematte. Später ging es an den Strand. Türkisblaues Wasser, Kokospalmen und jede Menge Sonne, was für ein Leben! Obwohl es uns nicht schwer fiehl den ganzen Tag am Strand zu verbringen, wollten wir mehr entdecken. Und das gab es auch. Arnaldo und David zeigten uns einsame Strände an der Steilküste und erzählten uns über das Leben in Choroni.
Wer eine Tour durch den nahegelegenen Henry Pittier Nationalpark machen möchte, fragt am Besten in Choroni nach dem Rainer. Eine Tagestour kostet 12000 Bs , die sich auf jeden Fall lohnen auszugeben. Urvane, Elephantenbäume, Schlangen und die größte Schmetterlingsart der Welt- all das haben wir gesehen. Bezaubernde Landschaften und ein abschließendes Bad unter Wasserfällen, einfach bezaubernd. Die größte Attraktion des kleinen Dorfes ist , dass jeden Samstag abend stattfindende ” Spielen der Trommeln”. Ob jung oder alt, es wird getanzt, getrunken und erzählt. Eine wunderbare Atmosphäre!
Die 14 Tage vergingen wie im Flug und der Abschied fiel alles andere als leicht. Hinter uns ließen wir viele neue Freunde und unvergeßliche Momente des Glücks und Zufriedenheit.
Die Welt der Berge wartete auf uns. Und so fuhren wir von Maracay aus nach Merida. Die Fahrt dauert ca. 11 Stunden und kostst um die 12000 Bs. In den frühen Morgenstunden wenn man sich Merida nähert, lohnt es sich die Augen aufzusperren und die wundervolle Landschaft zu genießen. Schneebedeckte Berge lassen einen glauben, man sei in einem völlig anderen Land. In Merida fanden wir uns rasch zurecht. Es gab viele Dinge, die wir uns anschauten wie z.B. den Mercado Principal. Eine riesige Markthalle, wo man alles bekommt was das Herz begehrt. Auch die beliebten Hängematten.
Ansonsten hielten wir uns überwiegend außerhalb Meridas auf und unternahmen viele verschiedene Ausflüge. Meistens standen wir früh auf um die Wetterlage zu checken, kräftigten uns durch ein ausgiebiges Frühstück und dann ging es los. Wir besuchten unter anderem die “Laguna Negra” (schwarze Lagune), eine sagenhafte Landschaft. Am Besten früh los, da sich hier oben schnell die Wolken zusammenziehen. Als das Wetter einmal nicht so mitgespielt hat sind wir zu den warmen Quellen gewandert – sehr entspannend. Viele der Touren kann man alleine machen. Nicht von der Höhe der Berge abschrecken lassen- es ist den Muskelkater wert. Natürlich sind wir auch mit der Seilbahn auf den Pico Bolivar gefahren. Es bietet sich ein unvergeßliches Panorama und die Kälte des Windes läßt einen in Tagträume versinken. Solveig und ich waren verblüfft wie unheimlich dünn die Luft hier oben ist. Aber liessen uns trotzdem nicht von unserer ersten Schneeballschlacht in diesem Jahr abhalten. Wenn wir abends nicht zu k.o. waren sind wir durch die Sraßen geschländert, haben Eis gegessen und das Treiben auf der Straße beobachtet. Ein Abend verbrachten wir im buddhistischen Zentrum, wo wir zu Tee geladen wurden. Also wer sich für Buddhismus interresiert unbedingt beim Centro Budista de Merida vorbeischauen.
Eines Nachts erschracken wir uns , weil wir nicht mehr viel Zeit in diesen wunderschönen Land hatten. Wir entschlossen uns nocheinmal Richtung Choroni zu fahren um die letzten Sonnenstrahlen zu tanken. Und um die Leute wiederzusehen, die wir jetzt schon vermissten. Wir erreichten Choroni in aller Frühe und die Freude war riesengroß. Wir nutzten jede freie Minute um all die Lebensfreude aufzusaugen, die uns in Berlin durch den Winter bringen sollte. Die Zeit verging viel zu schnell und es hieß endgültig Abschied zu nehmen. Arnaldo , David und eineige andere Leute die wir kennengelernt hatten, begleiteten uns zur Busstation. Wir versprachen, im nächsten Jahr uns wiederzusehen. Mit diesen Gedanken stiegen wir in den Bus nach Caracas.
Wir konnten es nicht glauben. Als wir im Haus meiner Freunde ankamen erwarteten uns bereits über 30 Freunde und Bekannte um uns zu verabschieden. Wir feierten bis in die Morgenstunden. Wie froh ich war all diese Menschen wieder gesehen zu haben, wie traurig sie hinter mir zu lassen! Am darauffolgenden Tag war es dann soweit. Es ging zurück nach Berlin. Als ich hier angekommen bin begrüßte mich ein typisch grauer Herbsttag, was in mir den Wunsch weckte, die nächste Maschine zurück nach Venezuela zu nehmen . Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer sein würde sich wieder an mein altes Leben zu gewöhnen. Dieses Semester lass ich saußen um mehr arbeiten zu können. Um somit meinen nächsten Flug zu finanzieren. Im März 2000 heißt es wieder Venezuela. Dann möchten wir unter anderem in die Grand Sabanna und an einer Llanostour teilnehmen. Aber ganz oben steht natürlich ein Wiedersehen mit alten und neuen Freunden. Vieleicht wieder 6 Wochen, vielleicht 3 Monate , vielleicht für immer..?






